Die Entwicklung der Flugpost in Deutschland und Europa.
von Anna Rosenbaum, Eichendorff-Gymnasium, Koblenz
Im Jahr 1912, neun Jahre nach dem ersten motorisierten Flug der Welt, stand die Flugzeugtechnik noch ganz am Anfang, als sich Leutnant Ferdinand von Hiddessen vom Leibdragonerregiment Nr. 24 dazu bereit erklärte, den ersten amtlichen Postflug Deutschlands zu übernehmen.
Für die Mütter- und Säuglingsfürsorge arrangierten die Großherzöge Eleonore und Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein vom 09. bis 23. Juni eine Wohltätigkeitsveranstaltung. Der Zeppelin „Schwaben“ und das Flugzeug „Gelber Hund“ sollten verkaufte Postkarten mit Abbildern der großherzoglichen Familie transportieren. Der Erlös, der durch die Karten und Briefmarken eingenommen wurde, kam, der Fürsorge zu Gute. Wichtig hierbei ist, dass der Veranstalter die Briefmarken herausgab, sie jedoch behördlich abgestempelt wurden. Dadurch wurde der Postbeförderungsflug amtlich.
Am 10. Juni 1912 startete der 24jährige Pilot von Hiddessen im offenen Doppeldecker, der auf Grund seiner Farbe „Gelber Hund“ genannt wurde. Die Maschine, die erstmals unter der Reichs-Postflagge flog und vom bekannten Flugzeugbauer August Euler konstruiert wurde, startete vom Frankfurter Flugplatz Niederrad in Richtung Darmstadt. Danach ging es weiter nach Worms, Mainz und wieder zurück nach Frankfurt. Zum ersten Mal wurde amtlich bearbeitete und verpackte Post durch die Luft befördert.
Im riesigen russischen Kriegsgebiet entstand 1917 ein Netz von regelmäßigen, militärischen Luftverbindungen, die auch zur Postbeförderung dienten, doch der offizielle Beginn der Luftpost ist erst mit dem 6. Februar 1919 datiert, denn an diesem Tag wurde die regelmäßige Luftlinie Berlin - Weimar eingerichtet. Bald darauf folgten Verkehrsstrecken wie Berlin – Hamburg – Westerland oder Berlin – Hannover – Gelsenkirchen. Da sich die Organisation von Flügen als äußerst schwierig erwies, einigte sich die Deutsche Luftreederei GmbH mit der Reichspostverwaltung, dass diese die Verwaltung der Flüge übernehmen werde. Die Beförderung mit mindestens 1 Mark Porto war für den Einzelnen allerdings zu teuer, was zur Folge hatte, dass das Luftpostgeschäft auf Zuschüsse angewiesen war. Wenig später wurde das Senden von Luftpost preisgünstiger und die Nachfrage stieg. Das Geschäft fing an sich zu etablieren und bis August 1919 hatten sich vier „Luftbeförderungsunternehmen“ gegründet.
Obwohl Deutschland den Krieg verloren hatte konnte sich am 28. August 1919 die International Air Traffic Association (IATA) gründen, die zu internationalen Luftfahrt-Kooperationen führte und das Fundament für die Weltluftfahrt bildete. Durch Verhandlungen, an denen sich die Reichspost tatenkräftig beteiligte, entstand die Luftlinie „Europa – Nordwestflug“.
In den Jahren 1919 und 1920 bildeten sich die Flugverbindungen Paris – London, Kopenhagen – Hamburg – Amsterdam und etwas später London – Amsterdam –Berlin, was zur Folge hatte, dass die Post nun schneller, als mit Schiff und Eisenbahn, international in Europa transportiert werden konnte. Die Flugpostverbindungen Europas verdichteten sich die folgenden Jahre zunehmend, sodass auch Danzig, Lettland, Finnland und Russland angebunden wurden. 1924 bildete sich sogar erstmals eine Nachtluftpostlinie zwischen Berlin – Kopenhagen – Stockholm.
1926 gründete sich die „Deutsche Luft Hansa“, die den gesamten deutschen Luftverkehr einnahm, indem sie vertraglich an die Deutsche Reichspost gebunden, Post beförderte und ihre Regelmäßigkeit gewährleistete. Knapp 14 Jahre nach Leutnant von Hiddessens wagemutigen Flug war nicht nur nationale, sondern sogar die internationale Flugpost nicht mehr wegzudenken. Was damals ein Großereignis war, war 1926 schon zur Routine geworden.
Quellen