Die Einführung der Fotografie in Koblenz
von Patrick Hessel, Eichendorff-Gymnasium, Koblenz
Die Daguerrotypie, der Vorläufer der heutigen Fotografie, musste einen langen Weg zurücklegen, bevor sie in Koblenz das erste Mal gezeigt wurde, und sich der erste Daguerrotypist in Koblenz zeigte.
Am 1. Februar 1839 berichtete der Coblenzer Anzeiger mit fast einmonatiger Verspätung zum ersten Mal von der Erfindung. Dem Leser wird dargestellt, dass das „Licht allein der Zeichner ist“1. Ein halbes Jahr später wird die bahnbrechende Erfindung in der Akademie der Wissenschaften in Berlin vorgestellt, bevor schließlich am 6. September 1839 der erste Daguerrotyp in Berlin zu bestaunen ist. Dieses Exemplar wurde von Daguerre selbst im Zuge seines Bestrebens einer Vermarktung seiner neuartigen Erfindung an die Häupter der europäischen Staaten geschickt.
Danach war es nur noch eine Frage der Zeit bis das neuartige Verfahren auch im Rheinland ankommen würde. Bereits am 3. September 1839 wurde in der Rhein-Mosel-Zeitung eine „Anweisung zur Verfertigung daguerre’scher Lichtbilder“ 2 zum Verkauf angeboten. Am 29. September informierte der Coblenzer Anzeiger über die ersten verkäuflichen Daguerrotypen, die in Frankfurt am Main käuflich zu haben waren.
Eines dieser frühen Daguerrotypien musste auch in den Besitz der Familie Mendelssohn gelangt sein. Der im Gegensatz zu Gemälden ungewöhnlich hohe Realitätsgrad, bei der Darstellung einer Berliner Kirche in der Daguerrotypie von Louis Sachs, musste auch dem damaligen Bonner Geographieprofessor Georg Benjamin Mendelssohn aufgefallen sein, der diese über seine Familie erhielt. Durch Mendelssohn, der vor allem für seine Schriften bekannt ist, in denen die Zusammenhänge zwischen Geographie und Geschichte betont werden, hielt die frühe Form der Fotografie Einzug in Koblenz.
Benjamin Mendelssohn, 1794 in Berlin als Sohn des Bankiers Joseph Mendelssohn geboren, trat 1821 vom jüdischen zum christlichen Glauben über, wobei er sich 1821 auf den Namen Georg Benjamin taufen ließ. 1847 wurde er zum Professor der Geographie und Statistik in Bonn erklärt, zog sich jedoch nach schriftlichen Protesten seiner Fakultätskollegen, die sich über seine geringe Lehrtätigkeit beschwerten, 1857 vollständig aus dem Lehrbetrieb zurück. Dieser Mangel an Tätigkeit ist wohl seinen Reisen zuzuschreiben, die ihn vor allem durch Deutschland, die Schweiz und Italien führten. Dabei hielt er sich des öfteren auf dem Gut seines Vaters in Horchheim in der Nähe von Koblenz auf, wo er am 24. August 1847 verstarb.
Er war ein guter Bekannter Friedrich Mohrs, eines berühmten Chemikers und Pharmazeuten aus Koblenz, der später ebenfalls an der Bonner Universität unterrichtete. Mohr war Vorstandsmitglied und Mitbegründer des 1835 zur Förderung des künstlerischen Gewerbes gegründeten Koblenzer Gewerbevereins. Über diesen Verein stellte er die Daguerrotypien seiner Familie auf der zweiten Schau von „Erzeugnissen des Gewerbefleißes“ aus. Die erste Fotoausstellung im Rheinland wurde am 13. Oktober 1839 im großen Saal des Gymnasiums und heutigem Rathaussaal ausgestellt. Durch den regen Besuch der Ausstellung wurde die Ausleihe der Daguerrotypien von Mendelssohn verlängert, was dem Gewerbeverein eine öffentliche Danksagung an Professor Mendelssohn im Coblenzer Anzeiger wert war, indem sie ihm im Namen „der Besuchenden und der Stadt“ 3 für die Bereitstellung dankten.
Somit hielt die Fotografie Einzug in Koblenz.
Für die darauf folgenden Wochen ist in Bezug „Daguerrotyp“ in Koblenz nichts weiter bekannt. Als Dominic Savio, Opticus aus Mannheim, am 28.April 1840 mit dem Verkauf von „periscopische[n] Acromate[n] für die Daguerresche Camera Obscura“ 4 warb, scheint die Fotografie wieder in Koblenz zu sein. Jedoch dauerte es weitere zwei Jahre bis Herr Jäger, der erste nachweisbare Daguerrotypist, in der Schloßstraße in Koblenz sein Atelier eröffnete.
1. vgl. LÖBER (1989), S. 71.
2. vgl. LÖBER (1989), S. 73.
3. vgl. LÖBER (1989), S. 73.
4. vgl. LÖBER (1989), S. 74.
Literaturangaben
- LÖBER, Ulrich, „Koblenzer Fotogeschichte“, in: Ulrich Löber u. Hans-Peter Gorschlüter (Hrsg.), Spurensuche – frühe Fotografie am Mittelrhein, Koblenz, 1989, S. 71-76.
- SCHÜTZ, Wolfgang, Koblenzer Köpfe, Koblenz 2. Auflage 2005.
- NDB, „Mendelssohn, Benjamin Georg“, in: Walter Killy u. Rudolf Vierhaus (Hrsg.), Deutsche Biographische Enzyklopädie (Band 7), München 1998, S. 58.
- „Fotografie“, in: F.A. Brockhaus, Brockhaus Enzyklopädie (Band 9), Leipzig 2005, S. 513 ff..
- „Daguerre, Louis Jacques Mandé“, in: F.A. Brockhaus, Brockhaus Enzyklopädie (Band 6), Leipzig 2005, S. 210.