Login|Register| May 19, 2012

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Carl Mand: Aufstieg und Niedergang eines der größten Klavierbauunternehmen in Koblenz

von Felix Krieger, Eichendorff-Gymnasium, Koblenz  

Carl Mand (geb. 27.10.1811 in Horchheim, gest. 28.08.1892 in Koblenz) gründete, nach achtjähriger Ausbildung zum Klavierbauer in Wien, ein zunächst kleines, aber, aufgrund der hohen Qualität der gebauten Klaviere und Flügel, rasch expandierendes Unternehmen. Bis zu seinem Tod schaffte es Mand seine Fabrik weltbekannt zu machen. Er darf sogar das Prädikat Hoflieferant führen und liefert vielen Menschen innerhalb und außerhalb Deutschlands seine sehr begehrten Musikinstrumente. Auch nach seinem Tod ist der Aufwärtsschwung des Unternehmens ungebrochen. Es expandiert weiter und erfährt erst durch den ersten Weltkrieg folgenschwere Einbußen. Die Weltwirtschaftskrise 1930 führt schließlich zum Aus des Koblenzer Betriebs und beendet eine fast hundertjährige Erfolgsgeschichte der Klavierbaukunst.
Heute ist das einst weltumspannende Unternehmen von Carl Mand jedoch weitgehend in Vergessenheit geraten. Kaum jemand weiß noch etwas über den Gründer und seine Fabrik zu berichten. Nur noch die Instrumente aus seiner Werkstatt zeugen vom einstigen Ruhm der Koblenzer Pianofortefabrik. Zu seiner Blütezeit, nach dem Zusammenschluss mit dem ebenfalls in Koblenz ansässigen Klavierbauer Heinrich Knauss und Söhne, hatte das Unternehmen im Jahre 1907 eine Belegschaft von etwa 450, zum größten Teil hochqualifizierten Arbeitern und produzierte teilweise bis zu 3000 Instrumente pro Jahr.
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Ausbildung in Wien und Gründung einer Werkstatt in Koblenz


Die Lebensgeschichte des Gründers beginnt in Horchheim. Hier erblickt Carl Mand am 27.10.1811, als zweiter Sohn von Maria Anna und Nikolaus Mand, Winzer und Schreiner, das Licht der Welt. Über seine Kindheit, sowie über sein Verhältnis zu seinem acht Jahre älteren Bruder, Nikolaus Mand, finden sich leider keine Berichte. Aber bereits 1826 ist von ihm als Klavierstimmer am Rhein die Rede. Die Entscheidung Carl Mands, eine musikalische Laufbahn einzuschlagen, hing wohl auch mit der Nähe zur Bankiersfamilie Mendelssohn aus Berlin zusammen, die in Horchheim, in direkter Nachbarschaft zum Mandschen Hof, über einen Sommersitz verfügte. Auch der bekannte Komponist Felix Mendelssohn-Bartholdy hielt sich in seiner Kindheit zeitweilig in Koblenz auf. So ist es nicht verwunderlich, dass die Familien Mand und Mendelssohn einander kannten. Überdies muss in jedem Fall eine gewisse Achtung der Bankiers gegenüber den handwerklichen Fähigkeiten der Mandsöhne Carl und Nikolaus geherrscht haben. Denn 1827 ermöglicht der Mäzen Mendelssohn Nikolaus Mand eine Ausbildung in Wien, der Stadt, die zu jener Zeit in der ganzen Welt für ihre Klavierbauer berühmt war. So machte sich der älteste Sohn des Winzers Mand auf den Weg nach Wien. Er erkrankte jedoch noch im selben Jahr an einem Lungenleiden und musste zurückkehren. Am 19.12.1827 verstirbt er im Alter von nur 24 Jahren in Horchheim. Aufgrund dieses tragischen Umstandes reist nun Carl Mand nach Wien, um seinen Bruder zu vertreten. Dort ist er acht Jahre lang als Klavierbauer tätig. Als er 1835 nach Koblenz zurückkehrt, gründet er hier sein Unternehmen. Der Standort war nahezu optimal. Aus den umliegenden Wäldern konnten genügend Rohstoffe für den Klavierbau entnommen werden. Auch als Ausgangspunkt für weltweiten Handel war Koblenz, aufgrund des Zusammenflusses von Rhein und Mosel bestens geeignet. Als letzter, wichtiger Punkt muss noch bemerkt werden, dass Koblenz über eine ausgeprägte Musiktradition verfügte, die sich vor allem in der Wahrung der Hofmusik zeigte. Aber auch die ansässigen Bürger, hauptsächlich Militärs und Beamte, die einer sozialen Schicht angehörten, die das häusliche Klavierspiel pflegte, stellten optimale Abnehmer für die mandschen Klaviere dar. Der eigentliche Beginn der unternehmerischen Karriere Carl Mands ist jedoch erst 1838 zu sehen. Nachdem er 1835 erneut nach Wien zurück gekehrt war, vermutlich hauptsächlich um die Überführung einiger Flügel aus einer Wiener Werkstatt nach Koblenz zu organisieren, lässt sich aus einer Kunst-Anzeige im Koblenzer Anzeiger vom 2.3.1838 entnehmen, dass der Pianofortefabrikant zwei Flügel aus Wien zum Verkauf anbietet und weitere folgen sollen. Im gleichen Jahr gelingt es Carl Mand Franz Hünten, einen erfolgreichen Koblenzer Komponisten, als Teilhaber und Finanzier an sein Unternehmen zu binden. Daraufhin ändert sich der Name der Werkstatt in „Mand und Hünten“. Doch die Zusammenarbeit ist nicht von langer Dauer. Bereits 1841 zieht sich Hünten wieder aus dem Geschäft zurück und die Firma erhält ihren alten Namen „Carl Mand“ wieder
2. In den folgenden Jahren beginnt der erstaunliche Aufstieg der Firma.

 

Das Unternehmen wächst


Um für seine Fabrikate Werbung zu machen, stellt Mand Aussagen bedeutender Künstler zu seinen Klavieren zusammen und veröffentlicht sie. Zu diesen Künstlern gehören Clara Schumann, Johannes Brahms, Richard Wagner, Franz Liszt, sowie Edvard Grieg. So schreibt Clara Schumann: „Zähle die Pianos Mand zu den besten, die ich kennen gelernt“
3. Richard Wagner notiert: „Die Flügel Mand gleichen einem vollen Orchester“ 4. Durch diese geschickte Werbung gelingt es Mand den Umsatz zu steigern und das Unternehmen auszubauen. Auch in seinem Privatleben zeichnen sich in jener Zeit einige Veränderungen ab. So heiratet er am 36.04.1841 Katharina Hohenschurz, die am 30.07.1846 den Sohn Carl Josef Mand zur Welt bringt. Ein Jahr später wird das Unternehmen von der Rheinstraße 450 in die Kornpfortstraße 205 verlegt. Überdies wird eine Zweigstelle in Bad Ems gegründet. Der Erfolg der Firma ist ungebrochen. 1853 erhält Carl Mand das Prädikat des Hoflieferanten der preußischen Prinzessin Augusta, die 1871 zur deutschen Kaiserin erhoben wird. 1866 wird die Firma ein weiteres Mal verlegt, diesmal in die Schloßstraße. Zur selben Zeit tritt Carl Joseph in die Firma ein. Der Umsatz steigt und bereits 1881 sind etwa 50 Arbeiter in der Werkstatt beschäftigt.

 

Die Fabrik Mand unter der Leitung von Carl Josef Mand

Ein Jahr später zieht sich Carl Mand aus dem Geschäft zurück und übergibt die Leitung der Firma an seinen Sohn Carl Josef Mand. Dieser zeichnet sich weniger durch handwerkliches Geschick, als vielmehr durch außergewöhnliche Fähigkeiten im kaufmännischen Bereich aus. Ihm gelingt es, das Unternehmen nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt, berühmt zu machen. Die Klaviere und Flügel der Firma Mand werden nach Südamerika, England, Belgien und Holland exportiert. Ein Einblick in die Anzahl und Art der gebauten Musikinstrumente lässt sich aus einem Bericht des damaligen Oberbürgermeisters Schüller an den Königlichen Regierungspräsidenten von Puttkamer vom 21.08.1890 entnehmen 5. Hier heißt es, dass die Fabrik Mand, „hauptsächlich Pianinos, dabei aber auch Tafelklaviere und namentlich vorzügliche Flügel“ herstellt. Überdies ist dort zu lesen, dass zwölf mal mehr Pianos, als Flügel hergestellt worden seien. Der durchschnittliche Verkaufspreis betrage 735 Mark und der Gesamtumschlag belaufe sich auf beinahe 500.000 Mark. Über die Angestellten lässt sich dem Schreiben folgendes entnehmen: „In der Fabrik werden durchschnittlich 89 Arbeiter - beschäftigt, welche durchschnittlich täglich 3,50 Mark verdienen“. Auch Carl Josef Mand darf sich ab 1887 Hoflieferant Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin von Preußen nennen. Um wettbewerbsfähig zu bleiben verbessert die Firma ihre Baumethoden und entwickelt neue Flügel. Darunter auch der völlig neu konzipierte „Mand-Olbrichflügel“. Dieser zeichnete sich durch die von Professor Olbrich entworfene, symmetrische, achteckige Form aus, die ein besonderes Klangvolumen erschuf. Das neuartige Instrument sorgte für Aufsehen und verschaffte dem Unternehmen weitere Kunden.
Beachtenswert sind auch die vielen Preise, mit denen die Fabrikate der Firma im Laufe der Jahre ausgezeichnet wurden. Aus diesem Grund nannte sie sich auch „die einzige Fabrik der Welt, welche in 15 Jahren 19 nur erste Preise, darunter 11 auf Weltausstellungen, errungen hat“
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Die Liste der Preise konnte sogar noch erweitert werden. So erlangte die Firma Mand insgesamt 33 erste Preise bei Provinzial- und Weltausstellungen, so z.B. in Düsseldorf, Aachen, München, Trier, Melbourne, Amsterdam, London, Antwerpen, St. Louis, Brüssel, Paris, Köln, Charleroi, Turin und Paderborn. Auch die Zahl der Hoflieferungen stieg mit der Zeit stetig an und belief sich kurz vor dem ersten Weltkrieg auf 16 Sendungen. Die Firma Mand belieferte unter anderem die folgenden Persönlichkeiten: Ihre Majestät die Kaiserin und Königin, Prinz Heinrich von Preußen, die Könige von Württemberg, Belgien und Rumänien, die Großherzöge von Hessen und Baden, den Landgraf von Hessen, Prinz Harald von Dänemark, den Herzog von Anhalt-Dessau, den Prinz zu Solms-Braunfels, den Herzog von Sachsen-Meiningen, die Herzogin von Schleswig-Holstein-Glücksburg, Prinzessin Ingeborg von Schweden und den Prinzen Karl von Hohenzollern.

Die Umwandlung zur Aktiengesellschaft und das Ende eines weltumspannenden Unternehmens

Nach dem Tod Carl Mands am 26.12.1906 erleidet das Unternehmen jedoch einen Rückschlag, denn Mand stirbt, ohne einen Erben für die Firma zu hinterlassen. Daraufhin wird das Unternehmen zur Aktiengesellschaft, mit dem Namen „Rheinische Pianofortefabriken A. G. vormals C. Mand“, unter der Direktion von Paul Kappler, umgewandelt und erlebt noch einmal eine Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs. 1907 gelingt sogar die Übernahme des Konkurrenten Heinrich Knauss Söhne und die Produktion kann auf 3000 Exemplare im Jahr gesteigert werden. Doch dem erste Weltkrieg und der Weltwirtschaftskrise ist das Unternehmen nicht gewachsen, so dass es am 13.10.1930 aufgelöst werden muss. Dennoch hinterlässt diese Fabrik eine beeindruckende Firmengeschichte. So wurden seit der Gründung des Unternehmens mehr als 56.000 Mand-Pianos und Flügel, über 40.000 Knauss-Pianos und 5.000 Kappler-Instrumente verkauft. Eine Unternehmerische Meisterleistung, die besondere Beachtung verdient. Aus diesem Grund wurde die Carl-Mand-Straße im Koblenzer Industriegebiet nach dem Gründer der Firma benannt.

Literaturverzeichnis

  • KAMPMANN, Helmut, Musik im Industriegebiet. Straßennamen und Personen machen Geschichte – Heute Start einer Serie – Klavierbauer Karl Mand, in: Rhein- Zeitung 8./9.7.2000, S.12.
  • SCHMITT, Hans Josef, „Ein Ton ging um die Welt“, in: Kirmes Magazin, Koblenz 1985, S.18-21.
  • SCHÜTZ, Wolfgang, Koblenzer Köpfe. Lebensbeschreibungen über Personen der Stadtgeschichte und Namensgeber für Straßen und Plätze, Mülheim-Kärlich 2002, S.251- 252.
  • SCHMUTZLER, Brigitte, „Klaviere aus Koblenz. Mand, Knauss und die Rheinische Pianoforte-Fabriken“, in: Ulrich Löber u.a. (Hrsg.), Meisterwerke. 2000 Jahre Handwerk am Mittelrhein. Band 6: Musikinstrumente, Neuwied, 1992, S.19-27.
  • STOLL, Michael, Mit Flügeln in geschäftliche Höhen : vor hundert Jahren verstarb Carl Mand - Weltunternehmer in Sachen Musik, in: Rheinzeitung 29./30.8.1992, S.14.

Quellenverzeichnis:

  • Stadtarchiv Koblenz, Bestand 623 Nr. 5239, S. 35-42.

Bildnachweis:

  • Abbildung 1,2,4:
    SCHMUTZLER, Brigitte, „Klaviere aus Koblenz. Mand, Knauss und die Rheinische Pianoforte-Fabriken“, in: Ulrich Löber u.a. (Hrsg.), Meisterwerke. 2000 Jahre Handwerk am Mittelrhein. Band 6: Musikinstrumente, Neuwied 1992, S.19-27.
  • Abbildung 3:
    SCHMITT, Hans Josef, „Ein Ton ging um die Welt“, in: Kirmes Magazin, Koblenz 1985, S.19.
    Ein Artikel von Felix Krieger. 

Fußnoten

1. Vgl. SCHMITT, Hans Josef, „Ein Ton ging um die Welt“, in: Kirmes-Gesellschaft St. Maximin (Hrsg.), Kirmes Magazin, Koblenz 1985, S. 21.
2. SCHMUTZLER, Brigitte, „Klaviere aus Koblenz. Mand, Knauss und die Rheinische Pianoforte-Fabriken“, in: Ulrich Löber u.a. (Hrsg.), Meisterwerke. 2000 Jahre Handwerk am Mittelrhein. Band 6: Musikinstrumente, Neuwied 1992, S. 20.
3. SCHMITT, Hans Josef, „Ein Ton ging um die Welt“, in: Kirmes-Gesellschaft St. Maximin (Hrsg.), Kirmes Magazin, Koblenz 1985, S. 18 
4. Ebd. S. 18
5. Stadtarchiv Koblenz, Bestand 623 Nr. 5239, S. 35-42.
6. SCHÜTZ, Wolfgang, Koblenzer Köpfe. Lebensbeschreibungen über Personen der Stadtgeschichte und Namensgeber für Straßen und Plätze, Mülheim-Kärlich 2002, S. 252.

 

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